Nur noch kurz die Welt retten
Nach ihrem recht erfolgreichen Ausflug in die Kinowelt – „1810 – Für eine Handvoll Kaspressknödel“ ist jetzt auch als DVD erhältlich – sind die Schienentröster wieder auf ihre eigentliche Bühne zurückgekehrt. „(Zensur) sing mit II“ heißt das aktuelle Programm von Daniel Lenz und Harald Haller, das zurzeit im Innsbrucker Treibhaus zu sehen ist – und auf jenem rot-weiß-roten Liederbüchlein basiert, das Erinnerungen an die Schulzeit wachruft.
Doch Lenz und Haller – im bürgerlichen Beruf Lehrer – wollen die verstaubte Melodiensammlung nicht länger akzeptieren. Und greifen zu Gitarre, Nasenflöte, Sandei und in die Tasten, um neue Sounds fürs Klassenzimmer und die Welt, die diese umgibt, zu kreieren. Und so werden altbekannte Hits und ohrwurmverdächtige Hadern mit aktuellen Texten versehen, die um Gesundheitswahn, Facebook-Irrsinn, Fußball-Euphorie oder Nachwuchs-Probleme kreisen. Nebenbei wird auch das längst üZensurberfällige Genre „Osterlieder“ kreiert und sogleich mit einem mitreißenden „Feliz Pascua!“ besungen. Dass das Publikum nicht so recht mitträüllern will, geht Lenz und Haller zwar etwas gegen den Strich – tut der charmanten Lockerheit des heiteren Abends aber keinen Abbruch. Die Schienentröäster sind ein eingespieltes Team, das in ihrer Rolle als musikalische „Weltenretter“ sichtlich aufgeht. Sprachspiele sind das Steckenpferd des dynamischen Duos, das mit dem Tiroler Dialekt genauso gerne hantiert wie mit Versatzstücken der Alltagskultur, um die man – leider – kaum einen Bogen machen kann. Und so wird auch die bizarre Welt der Castingshows melodisch durch den Kakao gezogen – keine wirklich neue Idee, dafür aber eine Fundgrube für Lacher.
An denen mangelt es im launigen, knapp zweistündigen Programm aber ohnedies nicht. Wenn Lenz und Haller im zweiten Teil des Abends das Alte und Neue Testament in SMS-Qualität aufbereiten, nachdem sie zuvor gestrige Austropop-Helden das Ende ihres Heroentums besingen haben lassen, ist dann auch das Publikum zum Mitsingen bereit. Gut so – „Ich mag dich“ klingt im Chor einfach besser.
Christiane Fasching